Ratgeber · Kapitaleinkünfte · Verlustverrechnung
$GME to the moon? — So nutzt du deine Aktien-Verluste steuerlich.
Ob GameStop, AMC, Wirecard oder einfach ein verlustreiches ETF-Jahr: Verluste aus Wertpapieren sind kein Totalschaden — sie senken deine Steuerlast auf zukünftige Gewinne. Hier die Anleitung 2026 mit Sparerpauschbetrag von 1.000 €, Verlustverrechnungstöpfen und allen Eintragungs-Schritten in WISO und smartsteuer.
Wann ist ein Verlust überhaupt „realisiert"?
In Foren und Subreddits hört man oft: „If you don't sell, you don't have losses." Was klingt wie eine Durchhalteparole, ist steuerrechtlich tatsächlich präzise. Laut § 20 EStG entsteht eine Steuerpflicht (bei Gewinnen) oder ein Verlust (bei Buchverlusten) erst dann, wenn du dein Wertpapier verkaufst.
Solange deine GameStop-Position bei -78% herumdümpelt, aber im Depot liegt — steuerlich passiert nichts. Erst der Verkauf macht den Verlust real und nutzbar.
Ich habe mit Gewinn verkauft — was nun?
Bei deutschen Brokern (comdirect, ING, Trade Republic, Scalable, …) läuft das automatisch: Die Bank zieht Kapitalertragsteuer direkt vom Gewinn ab und führt sie ans Finanzamt ab.
Steuerlast auf Kapitalgewinne 2026:
- Kapitalertragsteuer: 25 %
- Solidaritätszuschlag: + 5,5 % der KapESt
- Kirchensteuer (optional): + 8–9 % der KapESt
Gesamt ohne Kirche: ca. 26,375 %
Beispielrechnung — Gewinn-Szenario
Pia kauft 2026 100 Aktien NVIDIA zu je 80 €. Ein Jahr später verkauft sie alle zu 130 €.
- Verkaufserlös13.000 €
- Anschaffungskosten− 8.000 €
- Kursgewinn= 5.000 €
- Sparerpauschbetrag 2026− 1.000 €
- Zu versteuern= 4.000 €
- Steuer (26,375 %)≈ 1.055 €
Ich habe Verluste gemacht — kann ich die nutzen?
Ja — aber nur gegen andere Kapitalgewinne, nicht gegen dein Gehalt. Verluste aus Aktien dürfen nicht mit Werbungskosten oder anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Wohl aber mit:
- Anderen Aktien-Gewinnen (sofortige Verrechnung)
- Zukünftigen Aktien-Gewinnen (Verlustvortrag, unbegrenzt)
- Nicht mit Zinsen, Dividenden oder Krypto-Gewinnen — siehe nächster Abschnitt
Beispielrechnung — Verlust-Szenario
Max kauft 1.000 GameStop-Aktien zu je 100 €, verkauft sie ein Jahr später bei 50 €. Gleichzeitig verkauft er 200 Tesla-Aktien mit 90.000 € Gewinn:
- Tesla-Gewinn+ 90.000 €
- GameStop-Verlust− 50.000 €
- Sparerpauschbetrag− 1.000 €
- Zu versteuern= 39.000 €
- Steuer (26,375 %)≈ 10.286 €
- Steuerersparnis ggü. ohne Verlust≈ 13.188 €
Ohne den GameStop-Verlust hätte Max auf die vollen 89.000 € (90.000 − Pauschbetrag) etwa 23.474 € Steuer gezahlt. Der realisierte Verlust spart ihm also über 13.000 €.
Sparerpauschbetrag 2026: jetzt 1.000 €
Seit dem Steuerjahr 2023 wurde der Sparerpauschbetrag erhöht: 1.000 € pro Person bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung sind komplett steuerfrei. Erst alles darüber wird besteuert.
Den Sparerpauschbetrag musst du aktiv nutzen — per Freistellungsauftrag bei deiner Bank. Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank die KapESt direkt ab. Du bekommst das Geld dann erst über die Steuererklärung zurück.
Tipp: Du kannst den Pauschbetrag auf mehrere Banken aufteilen — solange die Summe 1.000 € nicht überschreitet. Z.B. 600 € bei der Hausbank, 400 € bei Trade Republic. Sinnvoll, wenn du mehrere Depots hast.
Verlustverrechnungstöpfe — warum's komplizierter ist
Hier kommt der Punkt, den viele Anleger unterschätzen: Verluste werden in getrennten Töpfen verrechnet. Du kannst nicht jeden Verlust gegen jeden Gewinn verrechnen.
| Topf | Was rein darf | Verrechenbar mit |
|---|---|---|
| Aktien-Topf | Gewinne & Verluste aus Einzelaktien | Nur mit anderen Aktien-Gewinnen |
| Allgemeiner Topf | ETFs, Fonds, Zinsen, Dividenden, Optionsscheine | Mit allem im Allgemein-Topf |
| Termin-Geschäfte | CFDs, Futures, Optionen | Bis 20.000 €/Jahr, danach Vortrag |
| Krypto | Bitcoin, Ether & Co. | Eigene Anlage SO, separat |
Wichtiger Praxis-Hinweis: Wenn deine Aktien-Verluste bei Broker A liegen und deine Aktien-Gewinne bei Broker B, musst du eine Verlustbescheinigung bei Broker A bis zum 15. Dezember beantragen. Sonst werden die Verluste nur in Broker A vorgetragen — und du zahlst bei B unnötig Steuer.
Verluste in der Steuererklärung eintragen
Alle benötigten Daten liefert dir dein Broker mit der Jahressteuerbescheinigung (oder „Erträgnisaufstellung"). Die brauchst du.
In WISO Steuer
- Reiter „Kapitalerträge" → Anlage KAP aktivieren
- Brokers-Jahressteuerbescheinigung Position für Position übertragen (KapESt, Soli, Verluste)
- Wenn Verluste aus anderem Broker: „Verlustbescheinigung beantragen"-Häkchen setzen
- Plausibilitäts-Check → WISO zeigt mögliche Verlustverrechnung an
In smartsteuer
- Interview-Frage „Hast du Einkünfte aus Kapitalvermögen?" → Ja
- Pro Bank/Broker einen Eintrag anlegen mit den Daten der Jahressteuerbescheinigung
- smartsteuer fragt automatisch nach Verlustbescheinigungen und Krypto-Gewinnen separat
- Sparerpauschbetrag wird automatisch berücksichtigt
FAQ — Aktien-Verluste in der Steuer
Wie lange kann ich Verluste vortragen? +
Was ist mit Verlusten aus dem Krypto-Handel? +
Funktioniert das auch mit ETFs? +
Was, wenn meine Aktie insolvent geht (Totalverlust)? +
Brauche ich für Kapitalerträge zwingend eine Steuersoftware? +
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